Smart Market Design in deutschen Verteilnetzen

Studie für Agora Energiewende

Ecofys hat im Auftrag der Agora Energiewende gemeinsam mit dem Fraunhofer IWES „Smart Market“-Konzepte zur Bewirtschaftung von Netzengpässen entwickelt und untersucht. 2015 wurden mehr als drei Prozent der Bruttostromerzeugung zu Kosten von rund einer Milliarde Euro aufgrund von Netzengpässen im Zuge des Redispatch und Einspeisemanagements abgeregelt. Auch nach 2015 werden Netzengpässe regelmäßiger Bestandteil des Netzbetriebs bleiben. Gleichwohl gibt es bisher keinen allgemeinen Marktmechanismus, der diese Energie nutzbar machen würde und damit die Effizienz des Stromsystems erhöhen würde.

Vor diesem Hintergrund hat die Studie das Ziel verfolgt, entsprechende Konzepte für sogenannte Smart Markets zur effektiven und effizienten Adressierung von Netzengpässen zu entwickeln, zu bewerten und einen regulatorischen Fahrplan für ihre Umsetzung vorzuschlagen. In der Studie werden Smart Markets als Koordinationsmechanismus definiert, der zwischen Markt- und Netzsphäre vermittelt und damit Netzengpässe effizienter bewirtschaftet.

Die Herausforderung der Netzengpässe und damit die Charakteristika geeigneter Smart Markets unterscheiden sich je nach Netzregion stark. Aus diesem Grund entwickelte Ecofys auf Basis eines morphologischen Kastens sechs verschiedene Modelle und bewertete deren Eignung in vier ausgewählten Netzgebietsklassen.

Unsere Analyse zeigt, dass es ein „universelles“ Modell, dessen Einsatz in allen Regionen zu empfehlen wäre, nicht gibt. In Schleswig-Holstein („winddominiert“) eignen sich tendenziell Modelle mit Flexibilitätsbezug, wo der Netzbetreiber als Nachfrager agiert. In Süddeutschland („photovoltaikdominiert“) dagegen eignen sich dagegen eher Quotenmodelle, wo der Netzbetreiber dem Markt Netzrestriktionen vorgibt. Weiterhin zeigt unsere Analyse, dass die Wahl der Preisbildung stark von der Wettbewerbs- und Liquiditätssituation im betrachteten Gebiet abhängig ist. Eine freie Preisbildung setzt eine hohe Liquidität und Wettbewerb voraus. Andernfalls eignen sich in der Modellausgestaltung Mechanismen der regulierten Preisbildung.

Über den gesamten Projektverlauf hinweg fand ein intensiver Austausch mit Stakeholdern aus Wirtschaft und Wissenschaft statt. Der Abschlussbericht wurde am 21. März 2017 einem breiten Publikum in Berlin vorgestellt.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier: agora-energiewende.de

Ansprechpartner

Christian Nabe
Energy Systems and Markets
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+49 (0)30 297 735 79 12
Michael Döring
Energy Systems and Markets
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Smart Market Design in deutschen Verteilnetzen (c) Agora 2017